Alter Südfriedhof in München
Der alte Südfriedhof in München befindet sich in der Thalkirchener Straße 17 in München und ist auch bei Touristen sehr beliebt. In München ist dieser Friedhof hauptsächlich unter dem Namen „Alter Südlicher Friedhof“ bekannt. 

Geschichte des Friedhofs und seine Entstehung
Dieser Friedhof wurde im Jahr 1563 als Pestfriedhof unter dem Namen „ferterer Freithof“, was so viel bedeutete wie „äußerer Friedhof“ vor den Toren der Stadt gegründet. Dies geschah auf Befehl des Herzog Albrecht V. von Bayern. Der Friedhof lag einige hundert Meter des Sendlinger Tors entfernt und hatte eine Breite von 180 Meter und eine Länge von 720 Meter durch die Begrenzung des Stephanplatzes. Er umfasste ca. 10 Hektar und war damit sehr groß für einen Stadtfriedhof.
In der Zeit zwischen 1788 und 1868 war dieser Friedhof die alleinige und allgemeine Begräbnisstätte für alle Verstorbenen des Stadtgebietes München. Dadurch ergeben Sie auf dem alten südlichen Friedhof einige Gräber bekannter und prominenter Münchner. 

Der Friedhof während des 30-jähringen Kriegs
Eine kleine geschichtliche Anekdote des Friedhofs ist, dass hier 1632 im Krieg die alte hölzerne Salvatorkirche abgerissen wurde. Ebenso wurden die Friedhofsmauern geschliffen. Somit konnten sich die Schweden hier nirgends verschanzen. Der 30jährige Krieg zog somit an dem Friedhof vorbei.
Als Ersatz für die Salvatorkirche wurde im Jahr 1674 die Stephanskirche geweiht. 

Die Sendlinger Mordweihnacht
Ein grusliges Detail des Friedhofs ist, dass hier bei Jahreswechsel 1705/1706 in unterschiedlichen Massengräbern 682 Leichen begraben wurden. Dabei handelt es sich um die Opfer der Sendlinger Mordweihnacht. Die Bestattung ist heute noch ein großes Thema des Friedhofs.

Der neue Hauptfriedhof der Stadt
Im Jahr 1789 wurde der Friedhof zum Hauptfriedhof der Stadt München, als der Kurfürst Karl Theodor beschloss, dass, innerhalb der Stadtmauer keine Begräbnisse mehr stattfinden dürfen. Alle bestehenden Grabstätten wurden aufgehoben und die sterblichen Überreste auf den südlichen Friedhof umgelagert. Dies geschah meist allerdings in Massengräbern. Die Bestattung war eine Tragödie, da keine gesonderten Gräber mehr angelegt wurde und die Hinterbliebenen Familien hierüber sehr erbost waren.
Das Leichenhaus und die Gruft Arkaden wurden im Jahr 1818-1821 unter der Leitung des königliches Hofbaumeisters Gustav Vorherr errichtet. 
Dies war auch die Zeit, in der ordentlich angelegte Reihengräber auf dem Friedhof angelegt wurden. Hier gab es nun keine Standesunterschiede mehr und die Gräber der Armen und die Gräber der Reichen wurden vermischt. Eine Bestattung eines reichen Bürgers fand nicht mehr in einem abgeschirmten Teil des Friedhofs statt.

Veränderungen durch das Gesetz
Die Aufhebung der inneren Friedhöfe im Jahr 1789 hatte weitere gravierende Änderungen am Südfriedhof zur Folge. Der Friedhof musste stark vergrößert werden. Allerdings nicht mit den kolossalen Denkmälern, die heute auf dem Friedhof zu sehen sind, sondern nur einfach Gräber. Das war damals noch nicht in Mode. Das zeigt auch eine weitere Anekdote. Der Vater des berühmten Ludwig Schwanthaler, Franz Schwanthaler, wagte es eine Frauenstatue aus Marmor aufzustellen. Priester sahen darin eine Entweihung des Ortes und die Statue wurde in Stücke geschlagen. Danach begann der Bau der Denkmäler bei der Bestattung.

Eine Änderung zum simultanen Friedhof
Trotz dem Widerstand der Kirche und auch der katholischen Stadtbevölkerung Münchens, wurde der Friedhof im Jahr 1818 ein simultaner Friedhof. Dies bedeutet, dass auf dem Friedhof Bürger verschiedener Glaubensrichtungen gleich bestattet wurde. Es wurde hierbei keine Unterschiede mehr gemacht. Im selben Jahr wurde auch der erste Protestant drauf bestattet. Dies war der Weinhändler Johann Balthasar Michel. Diese Bestattung war so aufsehenerregend, da er ebenfalls der erste Münchner Protestant mit Stadtrecht war. 

Die ersten Denkmäler auf dem Friedhof
Im Jahr 1818 wurde das erste Mal angeregt, dass auf dem südlichen Friedhof ein Denkmal für die Opfer der Sendlinger Mordweihacht erstellt werden sollte. Am 01. November 1831 wurde das Denkmal dann fertiggestellt und aufgestellt. Es steht nun da, wo die Opfer der Sendlinger Mordweihnacht begraben wurden. Es war das erste Kunstwerk in München im Neugotischen Stil. Es ist heute noch im Gräberfeld 6 zu besichtigen.

Lesen Sie unter der Gallerie mehr zur Entwicklung des Friedhofs…

Die Erweiterung des Friedhofs
1840 erteilte König Ludwig I. an Friedrich von Gärtner den Auftrag den Friedhof zu erweitern. Dieser plant eine Erweiterung mit 175 umlaufenden Rundbogenarkaden.
Bis zum Jahr 1868 bleibt der alte südliche Friedhof der Zentralfriedhof. Dieser wurde dann durch den alten nördlichen Friedhof abgelöst.
Im Jahr 1898 wurden durch das Magistrat Öffnungszeiten für den Friedhof beschlossen. Durch die vielen Denkmäler die im 18. Jahrhundert gebaut wurden, war der Friedhof damals schon eine Attraktion.

Ende der Bestattungen auf dem Friedhof
Seit dem 01. Januar 1944 dürfen auf dem Friedhof keine Bestattungen mehr durchgeführt werden. Durch die Anzahl der Bestattungen in den letzten 300 Jahren waren zu viele sterbliche Überreste wie Knochen im Boden. Daher konnte der Boden keine weiteren sterblichen Überreste mehr verwerten und ist für Bestattungen bis zur heutigen Zeit nicht mehr geeignet. 

Schäden durch die Kriege des 19. Jahrhunderts
Durch den Krieg wurde da Gelände stark beschädigt und dann wieder in den 50er Jahren restauriert. der alte südliche Friedhof steht bis heute unter Denkmalschutz.

Anzahl der Gräber und Grüfte
Im alten Teil mit 7 Hektar, befinden sich 13.066 Gräber und 95 Grüfte. Im neuen Teil mit 3 Hektar, befinden sich 5.022 Gräber und 175 Grüfte weniger Gräber aber dafür mehr Grüfte.

Der Friedhof heute
Heute wird der Friedhof regelmäßig saniert. Das letzte Mal geschah dies im Jahr 2007. Ebenso wurde damals die Stephanskirche renoviert. 
Dadurch bleibt der Friedhof als kunsthistorisches und kulturhistorisches Denkmal bestehen.

Bezeichnung der Gräber
Auf dem südlichen Friedhof ist eine Reihe bekannter und prominenter Persönlichkeiten aus München begraben. Die genaue Liste der bestatteten Münchner kann auf der Seite des Friedhofs oder vor Ort eingesehen werden. Hierzu ein Link mit dem Übersichtsplan.

Dabei sind die Gräber wie folgt gekennzeichnet:
Grab 5-17-10/11 bedeutet, das Grab liegt im Gräberfeld 5 in Reihe 17 auf Platz 10/11. Die andere mögliche Bezeichnung, Grab NA-158 (bei GF 30) bedeutet, das Grab liegt in den neuen Arkaden auf Platz 158 bei Gräberfeld 30.
Die Bezeichnungen des alten Teils und des neuen Teils sind unterschiedlich. 
Auf dem Friedhof kann man ebenfalls eine Karte mit den Gräbern erhalten. Diese kann man sich im Internet herunterladen oder vor Ort am Eingang bei der Friedhofsverwaltung bekommen.

Besichtigung des südlichen Friedhofs
Der Friedhof öffnet täglich zwischen 08.00 Uhr und 18.00 Uhr. In dieser Zeit kann der Friedhof auch besichtigt werden. Wer den Friedhof nicht alleine besichtigen will, kann bei jeder Touristeninformation Führungen buchen. Hierzu ein Link
Das Flair und die Denkmäler auf dem Friedhof sind einzigartig. Die Gräber vieler bekannter Persönlichkeiten liegen hier, die München zu der Stadt gemacht haben, die sie heute ist. Bei einer Besichtigung oder Führung kann man hier die Einzigartigkeit und das Flair des Friedhofs aufnehmen und die Langlebigkeit des Friedhofs bewundern.